Die soziale Sicherung und damit einhergehend der Wechsel der rechtlichen Zuständigkeit (Rechtskreiswechsel) für Geflüchtete aus der Ukraine vom Sozialamt (Asylbewerberleistungsgesetz) zum Jobcenter (SGB II) stellt für die öffentliche Verwaltung eine administrative Herausforderung dar. In diesem Beitrag wird untersucht, wie die beteiligten Organisationen der öffentlichen Verwaltung diesen gesetzlichen Auftrag umsetzen. Basierend auf einer empirischen Analyse der Kooperation insbesondere zwischen dem Jobcenter und den Sozialämtern zeigt der Beitrag, wie der Rechtskreis-wechsel als mehrdimensional belastetes Problem – bedingt durch hohe Fallzahlen, zeitlichen Druck und unklare Rechtslage – mithilfe von Techniken der Grenzziehung und-erweiterung bewältigt wird. Aus systemtheoretischer Perspektive wird analysiert, wie unterschiedliche organisationale Bedingungen zu divergierenden Fallkonstruk-tionen und damit einhergehend zu unterschiedlichen Fallbearbeitungen führen: In den zweckprogrammierten Asylstellen werden Fälle ganzheitlich und kontinuierlich betreut, während sich die Fallbearbeitung im konditionalprogrammierten Jobcenter auf leistungsrechtliche Aspekte beschränkt und episodisch erfolgt. Die Untersuchung zeigt, dass insbesondere die Verlagerung von Problemlösungen in das Zwischensystem zwischen den Behörden die Umsetzung des Rechtskreiswechsels ermöglicht.
tuned Ideenfestival zur Zukunft der Klassik
Keynote von Alexander Keil und Dr. Julian Stahl
Am: 11.11.2025
Ab: 16:30 – 18:00 Uhr
Ort: tuned Ideenfestival zur Zukunft der Klassik, Bochum
Vom 10.-12. November 2025 fand das tuned Ideenfestival zur Zukunft der Klassik im Anneliese Brost Musikforum Ruhr in Bochum statt. Mehr als 300 Teilnehmende aus der Klassikszene waren dabei, darunter Leitungen von Festivals, Konzerthäusern, Orchestern und freien Ensembles, Komponistinnen, Dramaturgie, Kulturmanagement, sowie Vertreter aus Forschung, Hochschulen und Verbänden.
Wie sieht die Zukunft der Klassik aus? Diese Frage stand drei Tage lang im Zentrum des bundesweiten Ideenfestivals. Über 50 nationale und internationale Kulturschaffende, Künstlerinnen und Wissenschaftler teilten ihr Wissen in Workshops, Impulsvorträgen, Diskussionsrunden und Kurzkonzerten. Das Ideenfestival richtete sich an alle, die Teil der Klassikszene sind, sei es als Konzertdramaturg, Kulturmanagerin, Veranstaltende, Musikerin oder Komponist.
Dabei ging es um zentrale Themenfelder des gegenwärtigen Musikschaffens. Wie klingen zeitgenössische Konzertprogramme? Wie können Institutionen und Ensembles auch in Zukunft erfolgreich arbeiten? Und welche Rolle spielt das Publikum? Das Ideenfestival gab Einblicke in Strategien, Projekte, aktuelle Debatten und Tools. Die Suche nach neuen Konzertdramaturgien und die Erweiterung des Klassikbegriffs wurden genauso diskutiert wie ein zeitgemäßer Umgang mit dem traditionellen Repertoire und dessen kritische Reflexion. Die Rolle von Konzertritualen und Publikumspartizipation wurden hinterfragt und in Workshops und Gesprächen wurden notwendige Kompetenzen zur Weiterentwicklung von Ensembles, Festivals und Konzerthäusern angesichts der großen Herausforderungen unserer Zeit erarbeitet. An beiden Abenden boten Kurzkonzerte Einblicke in aktuelle programmatische Entwicklungen.
Keynote und Workshop-Leitung: Mirjam Hildbrand & Alexander Keil
Zeit: 28.05.2027, 13:30 bis 15:30 Uhr
Ort: Théâtre Benno Besson, Rue du Casino 9, 1401 Yverdon-les-Bains
Wie führen wir Theater heute und welche Räume schaffen wir dadurch für Zukünftiges?
Die Debatte über Leitungsmodelle ist in vollem Gange: Intendanz, Co-Leitung, kollektive Strukturen. Doch hinter diesen Modellen steht eine grundlegendere Herausforderung: künstlerische Praxis unter Bedingungen wachsender Komplexität zu ermöglichen.
Denn die Realität hat sich verändert. Ob Stadttheater, freie Gruppe oder Festival: Leitungen stehen zunehmend unter Druck. Knapper werdende Ressourcen, steigende Erwartungen an Teilhabe und Diversität, neue Anforderungen an Zusammenarbeit und Arbeitsbedingungen. Leitung heisst heute nicht mehr nur programmatisch zu entscheiden, sondern kontinuierlich zu vermitteln, auszubalancieren und zu gestalten.
Die zentrale Aufgabe verschiebt sich: von der Entwicklung einer künstlerischen Handschrift hin zur Gestaltung von Organisationen, die gleichzeitig Raum für künstlerische Flexibilität schaffen und die notwendige organisatorische Stabilität gewährleisten.
Die Keynote von Mirjam Hildbrand und Alexander Keil bietet eine organisationssoziologische Perspektive auf diese Entwicklung. Er fragt nicht, welches Modell das richtige ist, sondern was unterschiedliche Formen von Leitung leisten und wo sie an ihre Grenzen kommen.
Im Anschluss laden wir bei moderierten Tischgesprächen zu einem gemeinsamen Nachdenken ein: über die Wirkungen und Folgen unterschiedlicher Leitungsstrukturen und über die Frage, wie Führung unter den Bedingungen von Transformation künftig gestaltet werden kann.
Tischmoderationen: Cristina Galbiati, Barbara Giongo, Guillaume Guilherme, Laurence Perez, Simon Waldvogel
In den USA wird der Umbau des Staates aktuell mit radikaler Autorität vollzogen. Währenddessen mehren sich in Deutschland die Reformideen für eine „helle Disruption“ im Einklang mit demokratischen Werten.
Welche Potenziale gibt es für ein systematisches Mapping von existierenden IT-Lösungen und eine konsequente Verwendung von Open Source?
Welche Funktionen erfüllen Reallabore für die Kommunen einerseits und die Gesetzgebung andererseits?
Welche Rolle spielen neue Kooperationsformen und Anreize bei der Staatsmodernisierung?
Bürokratie gilt vielen als Synonym für Komplexität, Langsamkeit und Reformstau. Bürokratopia zeigt eine andere Perspektive: Bürokratie ist kein Selbstzweck, sondern das Betriebssystem unseres demokratischen Staates – und damit gestaltbar. Julia Borggräfe beschreibt, warum eine leistungsfähige Verwaltung gerade in Zeiten von Digitalisierung, Fachkräftemangel, Klimawandel und gesellschaftlicher Transformation unverzichtbar ist. Sie zeigt, weshalb viele Reformen dennoch nicht die gewünschte Wirkung entfalten: Solange Verwaltung nicht konsequent von den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger aus gedacht wird und politische sowie administrative Handlungslogiken unverbunden nebeneinanderstehen, bleiben Veränderungen oft Stückwerk. Bürokratopia zeigt, wie dieser Knoten gelöst werden kann.
Das Buch verbindet eine fundierte Analyse der Herausforderungen mit einer klaren Zukunftsvision und vor allem mit konkreten Ansätzen für die Praxis. Es zeigt, wie Verwaltung nutzerzentrierter, wirksamer und innovativer werden kann – durch moderne Führung, neue Formen der Zusammenarbeit, konsequente Digitalisierung, eine attraktive Arbeitskultur und einer stärkere Orientierung an Wirkung. Dabei wird deutlich: Technologische Lösungen allein reichen nicht aus. Erst das Zusammenspiel von Menschen, Organisation und Kultur schafft die Voraussetzungen für nachhaltige Veränderung.
Bürokratopia richtet sich an alle, die Verwaltung nicht nur kritisieren, sondern als Fundament einer starken Demokratie verstehen – und erkennen, dass eine wirksame, zukunftsfähige und konsequent an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger ausgerichtete Verwaltung dafür unverzichtbar ist. Denn hinter dem vermeintlich trockenen Thema Bürokratie verbirgt sich eine der spannendsten Zukunftsfragen unserer Zeit: Wie bleibt unser demokratischer Staat handlungsfähig? Eine Frage, die uns alle betrifft. Bürokratopia liefert dafür keine Patentrezepte, sondern einen praxisnahen Kompass mit konkreten Impulsen für alle, die Verwaltung wirksam, bürgerorientiert und zukunftsfähig gestalten wollen.